Schwerpunkt

Physiotherapie für Kletternde und Bouldernde

Finger, Schulter, Ellenbogen — die drei Stellen, an denen Klettern typischerweise wehtut. Ich behandle sie, und ich klettere selbst.

Warum Klettern eigene Verletzungen produziert

Klettern belastet Strukturen, die im Alltag praktisch nie gefordert werden — und es belastet sie in einer Intensität, die dem Bindegewebe oft schneller zu viel wird, als die Muskulatur signalisiert. Die Finger tragen an kleinen Leisten ein Vielfaches des Körpergewichts, die Schulter arbeitet über Kopf in Endstellungen, der Ellenbogen hält gebeugt gegen Zug.

Dazu kommt ein Muster, das ich in der Praxis fast wöchentlich sehe: Die Kraft in den Unterarmen wächst schneller als die Belastbarkeit der Sehnen und Ringbänder. Wer nach der Winterpause im Boulderraum wieder einsteigt und binnen vier Wochen dort ist, wo er im Herbst aufgehört hat, hat muskulär aufgeschlossen — das Bindegewebe braucht deutlich länger.

Ringbandverletzung

Die klassische Kletterverletzung. Beim Aufsteller reißt oder überdehnt das Ringband, das die Beugesehne am Knochen führt — meist das A2-Ringband am Ring- oder Mittelfinger. Typisch ist ein hörbarer Knall, danach Schmerz an der Fingerbasis, oft eine Schwellung.

Die gute Nachricht: Die meisten Ringbandverletzungen heilen konservativ aus, ohne Operation. Die schlechte: Sie brauchen Geduld und, vor allem, Belastung zur richtigen Zeit. Vollständige Schonung ist der häufigste Fehler — ein Ringband, das nie belastet wird, wird nicht belastbarer.

Behandelt wird phasenweise: erst Entlastung und Schwellungskontrolle, dann vorsichtige Wiederbelastung, dann strukturiertes Sehnentraining in langsamem Tempo unter Spannung. Wann welcher Schritt dran ist, entscheidet der Befund, nicht der Kalender.

Schulter

Beim Bouldern kommen Schulterprobleme meist aus zwei Richtungen: aus dem weiten, gestreckten Zug — etwa beim Dyno oder am Untergriff — und aus der schlichten Menge an Überkopfarbeit ohne ausgleichende Gegenbewegung.

Häufig sind Reizungen der Rotatorenmanschette und der langen Bizepssehne, seltener Verletzungen des Labrums. Fast immer gehört zur Behandlung eine ehrliche Bestandsaufnahme der Kraftverhältnisse: Die Zugmuskulatur ist bei Kletternden meist stark, die Gegenspieler und die Schulterblattkontrolle oft nicht.

Ellenbogen

Der Kletterellenbogen ist meist ein Golferellenbogen — Schmerz an der Innenseite, dort wo die Beugesehnen ansetzen. Er entsteht durch wiederholtes Ziehen in Beugung, klassisch nach einer Phase mit viel Steilwand oder vielen Untergriffen.

Auch hier ist Belastung das Mittel der Wahl, nicht Pause. Sehnengewebe reagiert auf lange, langsame Bewegung unter Spannung — das Tempo 8:3:1 aus meinem Trainingssystem ist genau dafür gedacht. Die vollständige Übersicht steht in der FAQ.

Was Du davon hast, dass ich selbst klettere

Zwei Dinge. Erstens die Sprache: Du musst mir nicht erklären, was ein Aufsteller ist, warum der Zangengriff nach einer Ringbandverletzung länger problematisch bleibt oder weshalb Dich ausgerechnet die Heelhook-Bewegung stört. Das spart Zeit und Missverständnisse.

Zweitens die Einordnung: Ich weiß, welche Bewegungen sich vermeiden lassen und welche zum Klettern dazugehören. Der Rat „hör ein halbes Jahr auf" ist einfach zu geben und wird selten befolgt. Sinnvoller ist meist, das Klettern anzupassen — größere Griffe, weniger Steilwand, keine maximalen Züge — statt es ganz zu streichen.

Ich klettere seit vielen Jahren, am Seil und am Block, drinnen und draußen. Das ersetzt keine Diagnostik. Aber es hilft bei der Frage, die fast immer wichtiger ist als die Diagnose: Was geht jetzt schon wieder, und was noch nicht?

Ablauf und Abrechnung

Beim ersten Termin schauen wir uns die betroffene Struktur an, prüfen Kraft und Belastbarkeit im Seitenvergleich und klären, was Du in den nächsten Wochen vorhast. Daraus entsteht ein Plan mit konkreten Vorgaben, den Du dokumentiert mitbekommst.

Ich behandle alle gesetzlichen Krankenkassen, Privatversicherte, Berufsgenossenschaften (BG) und Selbstzahlende. Für Kletterbeschwerden reicht meist eine Verordnung über Krankengymnastik oder Manuelle Therapie; ohne Verordnung geht es als Selbstzahlerleistung, siehe Preisübersicht.

Das Thema trägt übrigens über Ottensen hinaus — zu mir kommen Kletternde aus ganz Hamburg. Wenn Dein Weg weit ist, lohnt der Blick auf die Behandlungszeiten an beiden Standorten.

Finger, Schulter oder Ellenbogen?

Je früher wir draufschauen, desto kürzer die Pause.

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